„Ein Punkt, der sich nicht gut anfühlt“
Nach dem späten 2:2-Ausgleich herrschte bei Rot-Weiß Oberhausen eine spürbar gemischte Gefühlslage. Die Freude über den Last-Minute-Treffer wurde von der Enttäuschung über den verpassten Sieg deutlich überlagert.
Torhüter Kevin Kratzsch brachte diese Zerrissenheit auf den Punkt. Natürlich sei es positiv, noch einmal zurückgekommen zu sein, erklärte er, „aber eigentlich musst du so ein Spiel gewinnen.“ Insgesamt sei es „einfach zu wenig gewesen“, weshalb es ihm unmittelbar nach Abpfiff schwerfiel, die richtigen Worte zu finden.
Ein Problem sah der Schlussmann weniger in der Einstellung oder der körperlichen Verfassung, sondern vielmehr in der aktuellen Personalsituation. „Die Kraft hat uns nicht gefehlt“, betonte Kratzsch, „aber wir haben momentan einfach nicht die Breite im Kader.“ Zahlreiche Ausfälle – auch kurzfristig – machten sich bemerkbar, da gerade eingespielte Abläufe schwer zu ersetzen seien. Dennoch stellte er klar: „Wir glauben weiterhin an unsere Chance und an den Aufstieg. Mit dem Nachholspiel und den verbleibenden Partien ist rechnerisch noch alles möglich.“
Wir glauben weiterhin an unsere Chance und an den Aufstieg.
Auch Pierre Fassnacht, der die Mannschaft auf dem Platz als Kapitän führte, haderte mit dem Ergebnis. „Wir wussten, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen – es gab eigentlich keine Alternative“, so der Offensivspieler. Entsprechend selbstkritisch fiel seine Einordnung aus: „Da müssen wir uns heute an die eigene Nase fassen.“
Gleichzeitig richtete Fassnacht den Blick bereits wieder nach vorne. Die Ausgangslage sei zwar schwierig gewesen, räumte er ein, „aber solange es rechnerisch möglich ist, werden wir alles investieren.“ Die Marschroute sei klar: „Wir fahren nach Bonn, wollen dort die drei Punkte holen und einfach bereit sein, falls sich noch eine Chance ergibt.“
Wir wussten, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen.
Cheftrainer Sebastian Gunkel schlug in seiner Analyse ähnliche Töne an. „Die Enttäuschung überwiegt, das ist ganz klar“, sagte er nach dem Abpfiff, lobte jedoch zunächst die Rahmenbedingungen: „Das war eine tolle Kulisse bei bestem Wetter und eine großartige Unterstützung über die gesamten 90 Minuten.“
Sportlich habe seiner Mannschaft „in der Summe ein paar Prozent gefehlt“. Dabei verwies Gunkel ebenfalls auf die angespannte Personalsituation, ohne diese als Ausrede gelten zu lassen. „Wir müssen seit Wochen auf wichtige Spieler verzichten und haben in manchen Mannschaftsteilen kaum Möglichkeiten zu rotieren“, erklärte er. Das erschwere sowohl das Training als auch die Steuerung der Belastung erheblich. „Das ist bitter, wenn du dir über die Saison so viel erarbeitet hast und am Ende vielleicht nicht mehr ganz die nötige Frische auf den Platz bekommst.“
Dass wir am Ende noch das 2:2 machen, zeigt, dass die Mannschaft lebt und unbedingt will.
Dennoch erkannte der Trainer auch positive Ansätze: „Dass wir am Ende noch das 2:2 machen, zeigt, dass die Mannschaft lebt und unbedingt will.“ Gerade nach dem frühen Führungstreffer habe man sich eigentlich mehr Sicherheit erhofft, doch gegen einen kompakten Gegner sei es schwer gewesen, Lösungen zu finden. Entscheidend seien zudem die ungenutzten Chancen nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich gewesen: „In so einer Phase der Saison musst du solche Möglichkeiten nutzen, um das Spiel wieder auf deine Seite zu ziehen.“
