RWO unterstützt offenen Brief zur Stadionverbotsrichtlinie
Der SC Rot-Weiß Oberhausen hat sich gemeinsam mit zahlreichen weiteren Traditionsvereinen und aktiven Fans aus ganz Deutschland einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund angeschlossen. Hintergrund ist die geplante Neufassung der bundesweiten Stadionverbotsrichtlinie, die aus Sicht der unterzeichnenden Vereine in ihrer aktuellen Form erhebliche Risiken für Verhältnismäßigkeit, Rechtsstaatlichkeit und die eigenverantwortliche Arbeit der Clubs birgt.
Gemeinsam positionieren sich die Vereine klar gegen eine Entwicklung, bei der Stadionverbote zunehmend auf Basis bloßer Ermittlungsverfahren ausgesprochen werden könnten und Vereine gleichzeitig Entscheidungsspielräume verlieren würden. Rot-Weiß Oberhausen steht dabei ausdrücklich für einen Fußball, der Sicherheit, Prävention, Dialog und rechtsstaatliche Prinzipien miteinander verbindet.
Offener Brief an den Deutschen Fußball-Bund
Sehr geehrter Herr Neuendorf,
sehr geehrtes Präsidium des DFB,
die unterzeichnenden Fußballclubs haben die öffentliche Diskussion um die Novelle der bundesweiten Stadionverbotsrichtlinien verfolgt und gemeinsam einer intensiven Prüfung unterzogen. Wir vertreten dabei eine einheitliche Position: Wir Vereine lehnen die Anpassung in ihrer jetzigen Form entschieden ab.
Unsere gemeinsame Verantwortung, der Vereine und der Verbände, gilt einer fairen, verhältnismäßigen und rechtsstaatlichen Anwendung des Instruments „Stadionverbot“. Die nun vorliegenden Pläne gefährden aus unserer Sicht grundlegende Prinzipien des bisherigen Systems und verschieben den Charakter des Stadionverbots von einem präventivpädagogischen hin zu einem repressiven Instrument.
Wir appellieren an den DFB und seine Gremien, diese Position mit Nachdruck gegenüber den zuständigen politischen und innenministeriellen Entscheidungsträgern zu vertreten.
1. Grundsätzliche Bewertung
Die geplante Neufassung verfehlt sowohl inhaltlich als auch im Verfahren den Anspruch eines transparenten, beteiligungsorientierten und fachlich ausgewogenen Regelwerks. Zentrale Werte, die für unsere Fan- und Vereinsarbeit konstitutiv sind, geraten aus dem Gleichgewicht.
Konkret sehen wir folgende Grundprinzipien gefährdet:
- Verhältnismäßigkeit: Statt individueller, abgewogener Entscheidungen würde ein Automatismus begründete Einzelfälle ausblenden.
- Rechtsstaatlichkeit: Stadionverbote auf bloßer Grundlage eingeleiteter Ermittlungsverfahren untergraben die Unschuldsvermutung.
- Vereinsautonomie: Die geplante zentrale Fachaufsicht mit Weisungsrecht greift in das Hausrecht und die Organisationsverantwortung der Vereine ein.
- Einbindung der Fanarbeit: Die sozialpädagogische Perspektive wird geschwächt.
2. Zentrale Kritikpunkte
Die Vereine kritisieren insbesondere Stadionverbote auf Basis bloßer Ermittlungsverfahren, die Beschränkung von Ermessensspielräumen vor Ort sowie eine zentrale Fachaufsicht mit Weisungsrecht. Zudem werden unklare Verantwortlichkeiten, Risiken für Datenschutz und Persönlichkeitsrechte sowie eine Schwächung präventiver Fanarbeit angeführt.
3. Erwartungen an eine Überarbeitung
Die unterzeichnenden Clubs fordern eine grundlegende Überarbeitung der geplanten Richtlinie. Dabei sollen insbesondere rechtsstaatliche Prinzipien und die Unschuldsvermutung gewahrt, klare Verfahren geschaffen sowie Fanvertretungen und Fanprojekte verbindlich eingebunden werden. Außerdem müsse die Verantwortung für mögliche Stadionverbote weiterhin bei den jeweiligen Vereinen verbleiben.
4. Schlussfolgerung und Auftrag an den DFB
Die Vereine erwarten vom DFB, die gemeinsame Haltung offiziell nach außen zu vertreten und sich gegen die derzeitige Fassung der Stadionverbotsrichtlinie auszusprechen. Gleichzeitig fordern sie eine Neubewertung des laufenden Prozesses gemeinsam mit Politik, Verbänden sowie Vereins- und Fanvertretungen.
Wir stehen für einen Fußball, der Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Dialog in Einklang bringt – nicht für pauschale und zentrale Eingriffe, die Vertrauen und Verhältnismäßigkeit gefährden.
Mit sportlichen Grüßen
Chemnitzer FC, FC Würzburger Kickers, HFC Chemie, FSV 63 Luckenwalde, FC Carl Zeiss Jena, SV Meppen 1912, BSG Chemie Leipzig, FC Eilenburg, FSV Zwickau, SG Dynamo Dresden, VFC Plauen, 1. SC Göttingen 05, FC Erzgebirge Aue, 1. FC Magdeburg, F.C. Hansa Rostock, Hannover 96, SV Babelsberg 03, FC Energie Cottbus, 1. FC Lokomotive Leipzig, 1. FC Schweinfurt 05, Hertha BSC, Hertha 03 Zehlendorf, FC Rot-Weiß Erfurt, SC Rot-Weiß Oberhausen, 1. FC Saarbrücken
