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Montag, 28.09.2026 17:16 Uhr

Kuck ma zurück: Adi Preißler, der RWO-Jahrhunderttrainer

„Kuck ma zurück" heißt das redaktionelle Format der Kleeblätter, das regelmäßig spannende Stories aus der Geschichte von Rot-Weiß Oberhausen erzählt und dabei Erinnerungen an große Spiele, besondere Momente und prägende Figuren weckt. In diesem Beitrag blicken wir zurück auf Alfred „Adi“ Preißler.

Mit üppigem Haupthaar war Adi Preißler nie gesegnet. Wer ihn kannte, führte das gerne augenzwinkernd auf die vielen Kopfbälle zurück. Seine größte Stärke lag aber woanders: Preißler lenkte den Sturm. Er las das Spiel, tauchte im richtigen Moment an der richtigen Stelle auf und vollendete selbst oder spielte den entscheidenden Pass in die Tiefe.

Vom Duisburger Talent zum Dortmunder Kapitän

Der gebürtige Duisburger machte seine ersten Schritte bei Duisburg 1900 und holte schon als junger Spieler mit der Duisburger Stadtauswahl in Chemnitz die Deutsche Jugendmeisterschaft. Seine große Zeit erlebte er in Dortmund. Als Kapitän der Borussia sicherte er sich mehrfach die Torjägerkrone der Oberliga West und schoss die Schwarz-Gelben 1956 und 1957 zur Deutschen Meisterschaft. Insgesamt stand der starke Techniker viermal im Endspiel um den Titel, einmal davon mit Preußen Münster. Dort bildete er gemeinsam mit Gerritzen, Rachuba, Ludorf und Lammers den berühmten „100.000-Mark-Sturm“. Bundestrainer Sepp Herberger berief ihn zweimal in die Nationalmannschaft. Mehr war kaum drin, denn auf seiner Position führte damals kein Weg an Fritz Walter vorbei.

Der Weg an die Seitenlinie

Erst mit 38 Jahren beendete Preißler seine aktive Laufbahn. Gemeinsam mit Jupp Derwall legte er bei Herberger die Trainerprüfung ab. Den FK Pirmasens und später Borussia Neunkirchen führte er jeweils in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Im Sommer 1968 wechselte er vom Wuppertaler SV nach Oberhausen und übernahm eine Mannschaft, die bereits Bundesligaformat hatte. Sein Monatsgehalt: 2.000 Mark, alles inklusive. An seiner Seite sammelte ein gewisser Kalli Feldkamp als Assistent seine ersten Erfahrungen im Trainergeschäft.

Dreimal „Latte“

Preißler sprach die Sprache seiner Spieler und brauchte nur Sekunden, um sie für sich zu gewinnen. Beim ersten Training streichelte er den Ball, legte ihn auf die Mittellinie, rief dreimal laut „Latte“ und traf aus mehr als 50 Metern exakt den Querbalken. 25 gestandene Profis trauten ihren Augen kaum. Danach stellte Preißler seine Mannschaft vor die Wahl: zehn Runden laufen oder lieber ein schönes Spielchen? Die Antwort fiel nicht schwer. „Bei uns stand immer die Freude im Vordergrund“, sagte Preißler Jahre später in einem Interview.

Aufstieg und Tabellenspitze

Aus der starken Regionalliga-Elf formte Preißler eine verschworene Einheit. 1969 holten die Kleeblätter die Meisterschaft in der Regionalliga West. Im entscheidenden Aufstiegsspiel gegen den Freiburger FC reichte vor 30.000 Zuschauern im Stadion Niederrhein ein 0:0. RWO war in der Bundesliga.

Grau is’ alle Theorie, entscheidend is’ auf’m Platz
Alfred „Adi“ Preißler


Dort ließ die Mannschaft sofort aufhorchen. Mit einem 4:0 in Braunschweig am vierten Spieltag kletterte sie an die Tabellenspitze, das 3:1 gegen Werder Bremen festigte Platz eins. Am Saisonende stand der angepeilte Klassenerhalt. Ein Jahr später folgte die Sternstunde: Am 26. September 1970 schickte Oberhausen Uwe Seeler und den HSV mit einem 8:1 zurück an die Alster, Hans Schumacher traf allein viermal. Preißler blieb gewohnt nüchtern: „War nix bei. Das war ja kein HSV, das war ein Trümmerhaufen!“ Schöne Reden waren nie seine Sache, Klartext dafür umso mehr. Sein Satz „Grau is’ alle Theorie, entscheidend is’ auf’m Platz“ ist bis heute Teil der deutschen Fußballsprache.

Linsensuppe und ein fliegender Bierkasten

Um Preißler ranken sich zahlreiche Dönekes. Als Abwehrchef Uwe Kliemann, genannt „Funkturm“, wieder einmal Heimweh nach Berlin plagte, luden Preißler und seine Frau Ingrid ihn zu seinem Leibgericht ein: Linsensuppe. Es wirkte. Auch mit Franz Krauthausen bewies er Geduld. Obwohl der „schwatte Franz“ vor Auswärtsspielen gerne nachts unterwegs war, stellte Preißler ihn immer wieder auf. Seine Begründung, angelehnt an einen Spruch von Maaßen: Ein betrunkener Krauthausen sei immer noch besser als gar keiner. Ins Trainingslager sei er ohne alles gekommen, selbst die Zahnbürste musste er sich leihen. „Aber böse konnte man dem nicht sein.“

Laut wurde Preißler nur selten. Einmal aber doch: Nach einem Spiel in Bad Marienberg hatte die Mannschaft ausgiebig auf dem Schützenfest gefeiert. Als der Trainer im Bus zwischen seinen sichtlich mitgenommenen Spielern noch weitere Biervorräte entdeckte, flog der Kasten kurzerhand während der Fahrt aus dem Bus. „Die hatten dann richtig Respekt“, erzählte er später.

Abschied und Erbe

Vier Jahre spielten die Kleeblätter in der Bundesliga, ehe die Belastungen rund um den Bundesligaskandal 1973 zu viel Kraft kosteten. Preißler stand da schon nicht mehr an der Oberhausener Seitenlinie. Ob der Abstieg unter ihm zu verhindern gewesen wäre, bleibt eine offene Frage. Angebote aus Griechenland und Spanien schlug er aus und betreute stattdessen den SuS Klosterhardt, den damals Hermann Schulz führte.

Zum letzten Mal besuchte Preißler das Niederrheinstadion im Sommer 1998, als die Kleeblätter den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga feierten. Am 15. Juli 2003 starb er im Alter von 82 Jahren in einem Duisburger Seniorenheim. Ein Jahr später wählten ihn die Fans der Kleeblätter zum „Trainer des Jahrhunderts“.

Ein besonderer Dank gilt Peter Seiwert, dessen Buch „Das Kleeblatt blüht weiter. Rot-Weiß Oberhausen Chronik 1973–2009" die Grundlage für diesen Beitrag bildet und ein wahrer Schatz für alle RWO-Fans ist.