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Dienstag, 13.10.2026 13:42 Uhr

Kuck ma zurück: Der höchste Bundesligasieg der Kleeblätter

„Kuck ma zurück" heißt das redaktionelle Format der Kleeblätter, das regelmäßig spannende Stories aus der Geschichte von Rot-Weiß Oberhausen erzählt und dabei Erinnerungen an große Spiele, besondere Momente und prägende Figuren weckt. In diesem Beitrag blicken wir zurück auf den höchsten Bundesligasieg der Kleeblätter.

Die Vorzeichen hätten kaum schlechter sein können. Nach sechs sieglosen Spielen zum Start der Saison 1970/71 trugen die Kleeblätter die rote Laterne, als am 26. September 1970 der Hamburger SV ins Stadion Niederrhein kam. Der Tabellenachte reiste mit Superstar Uwe Seeler an und galt als klarer Favorit. Doch die 13.348 Zuschauer erlebten an diesem Samstagnachmittag eine der besten Leistungen der Vereinsgeschichte: Mit 8:1 (4:1) fegte Rot-Weiß Oberhausen die Hanseaten vom Platz. Es ist bis heute der höchste Sieg, den die Kleeblätter in der Bundesliga je gefeiert haben.

Dabei begann alles so, wie es die Tabelle vermuten ließ. Die Gäste von Trainer Klaus-Dieter Ochs, selbst nur holprig in die Saison gestartet, spielten von Beginn an auf Sieg und gingen nach sieben Minuten durch Franz-Josef Hönig in Führung. Doch der frühe Rückstand weckte die Gastgeber. Die Mannschaft von Jahrhunderttrainer Adi Preißler warf fortan alles nach vorne und schnürte die Hamburger minutenlang in deren Hälfte ein. Die Oberhausener Angreifer beschäftigten die Hamburger Hintermannschaft so sehr, dass sich sogar die eigenen Verteidiger ins Offensivspiel einschalten konnten. Im Mittelfeld zog Gert Fröhlich die Fäden, der nach einer Blinddarmoperation sein Comeback feierte.

Foto: Karikatur in der WAZ, 26.9.70


Zum Mann der ersten Halbzeit wurde Wolfgang Sühnholz. Der aus Berlin gekommene Angreifer, von allen nur „Sprotte” genannt, bereitete in der 13. Minute den Ausgleich durch Hans Schumacher vor, brachte die Kleeblätter drei Minuten später mit einem abgefälschten Schuss selbst in Führung und legte in der 29. Minute auch das 3:1 für Schumacher auf. Für Sühnholz war es das erste Bundesligator. Kurz vor dem Pausenpfiff erhöhte Franz Krauthausen auf 4:1. Ein Halbzeitstand, von dem selbst die kühnsten Optimisten auf den Rängen nicht zu träumen gewagt hatten.

Wer erwartet hatte, dass sich Oberhausen nach dem Seitenwechsel aufs Verwalten verlegen würde, sah sich getäuscht. Schumacher traf in der 52. und 78. Minute zwei weitere Male, Krauthausen schnürte in der 60. Minute ebenfalls einen Doppelpack und Lothar Kobluhn setzte in der 81. Minute per Elfmeter den Schlusspunkt. Daran änderte auch nichts, dass Seeler zwischenzeitlich in der Abwehr aushalf. Die Löcher der Hamburger Hintermannschaft ließen sich nicht mehr stopfen.

„Oberhausen im Fußballrausch”

Gefeierter Held des Tages war Schumacher. Der 25-Jährige, für 50.000 Mark aus Gelsenkirchen an den Niederrhein geholt, hatte den HSV mit vier Treffern beinahe im Alleingang bezwungen. Sechsmal tauchte er frei vor Torhüter Özcan Arkoc auf, viermal war er erfolgreich. Den Rummel um seine Person wollte er trotzdem klein halten: „Nur keinen Wirbel!”, gab er den Reportern mit auf den Weg. Ganz anders die Gefühlslage auf Hamburger Seite. Seeler verweigerte jeden Kommentar, Arkoc kämpfte mit den Tränen: „Das war heute eine absolute Katastrophe!” Dabei hatte der Keeper nach Ansicht des Kicker sogar noch Schlimmeres verhindert. Das Fachmagazin überschrieb seinen Bericht mit „Oberhausen im Fußballrausch”.

Für die Kleeblätter war der Kantersieg weit mehr als ein Ausrufezeichen. Er beförderte die Mannschaft auf Rang 16 und gab ihr die Gewissheit, in der Bundesliga nicht nur mithalten, sondern auch für faustdicke Überraschungen sorgen zu können. Am Saisonende stand der denkbar knappe Klassenerhalt und mit Lothar Kobluhn stellte RWO mit 24 Treffern sogar den Torschützenkönig.

Die Daten zum Spiel:

RWO: Scheid – Rösen, Hollmann, Ohm – Dick, Kobluhn, Fröhlich, Brozulat – Sühnholz, Schumacher, Krauthausen – Trainer: Adi Preißsler

HSV: Arkoc – Bonn, Kremer, Hellfritz – Sandmann, Hönig, Schulz, Zaczyk – Dörfel, Seeler, Beyer – Trainer: Klaus-Dieter Ochs

Schiedsrichter: Gert Meuser

Tore: 0:1 Hönig (7.), 1:1, 3:1, 5:1, 7:1 Schumacher (13., 29., 52., 78.), 2:1 Sühnholz (16.), 4:1, 6:1 Krauthausen (44., 60.), 8:1 Kobluhn (81.)

Zuschauer: 13.348

Ein besonderer Dank gilt Peter Seiwert, dessen Buch „Bundesliga – Unsere besten Jahre. Rot-Weiß Oberhausen Chronik 1969–1973" die Grundlage für diesen Beitrag bildet und ein wahrer Schatz für alle RWO-Fans ist.