Kuck ma zurück: Als RWO den BVB in der Bundesliga besiegte
„Kuck ma zurück“ heißt das redaktionelle Format der Kleeblätter, das regelmäßig spannende Stories aus der Geschichte von Rot-Weiß Oberhausen erzählt. In diesem Beitrag geht es um den 30. August 1969, als die Kleeblätter Borussia Dortmund im Stadion Niederrhein in die Knie zwangen.
Am dritten Spieltag der ersten Bundesliga-Saison fieberte ganz Oberhausen dem Duell mit der Dortmunder Borussia im Stadion Niederrhein entgegen. Pünktlich zum Spiel meldete sich auch „Das Kleeblatt“ zurück: 5.000 Exemplare der Klubzeitschrift gingen für je 50 Pfennig an die Zuschauer.
Besonders aufgeregt dürfte Oberhausens Trainer Adi Preißler gewesen sein. In den 50er Jahren hatte er selbst das schwarz-gelbe Trikot getragen und den BVB als Kapitän 1956 und 1957 zur Deutschen Meisterschaft geführt. „Borussia war meine Liebe!“, gab er vor dem Anpfiff offen zu. Die Gäste nahmen den Aufsteiger keineswegs auf die leichte Schulter. Nationalspieler Siggi Held kündigte an, man werde sich „sehr warm anziehen“.
26.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das von Beginn an begeisterte. Beide Teams suchten den spielerischen Weg, kämpften leidenschaftlich und sorgten mit sehenswerten Kombinationen für Stimmung auf den Rängen. Die besseren Chancen hatten jedoch die Kleeblätter. Das lag auch an Vorstopper Dieter „Tex“ Hentschel, der Held fast jeden Zweikampf abnahm. Die übrigen Dortmunder Angreifer fanden ebenfalls kaum ein Durchkommen. Auf der anderen Seite prüften Gert Fröhlich, Hugo Dausmann, Dieter Brozulat und vor allem Franz Krauthausen immer wieder Dortmunds Keeper Jürgen Rynio, der sich mehrfach glänzend auszeichnete. Rainer Laskowsky köpfte sogar an die Latte.
Kobluhn und Krauthausen lassen Oberhausen jubeln
Nach 63 Minuten fiel die verdiente Führung: Lothar Kobluhn behauptete sich gegen Willi Neuberger und schob den Ball am Pfosten vorbei ins Netz. Die Antwort der Borussia ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer Flanke von Held traf Jürgen Schütz in der 72. Minute unhaltbar für Wolfgang Scheid zum Ausgleich. Doch die Kleeblätter hatten noch etwas im Köcher. Zehn Minuten vor dem Ende fasste sich Krauthausen aus rund 18 Metern ein Herz und jagte den Ball ins linke Eck. Das Stadion Niederrhein stand Kopf, der 2:1-Sieg war perfekt.
Bemerkenswert war bei aller Intensität der faire Umgang miteinander. Kurz nach der Pause bat der Schiedsrichter um Hilfe, weil ein kleines Loch im Rasen gestopft werden musste. Spieler beider Mannschaften holten daraufhin kurzerhand Sand aus der Sprunggrube und flickten den Platz gemeinsam. Brozulat nutzte die Unterbrechung sogar für ein kleines Privatduell mit einem Dortmunder, bei dem die beiden das Publikum mit ein paar Ballkunststücken unterhielten.
Mit 5:1 Punkten kletterten die Kleeblätter auf Rang zwei, für viele eine echte Sensation. Ganz nebenbei schrieb Oberhausen Geschichte: Als erster Aufsteiger blieb die Mannschaft in ihren ersten drei Bundesligaspielen ungeschlagen.
Die Daten zum Spiel:
RWO: Scheid - Dick, Hentschel, Ohm, Wilbertz - Brozulat, Fröhlich, Kobluhn - Dausmann, Krauthausen, Laskowsky (56. Karbowiak) - Trainer: Adi Preißler
BVB: Rynio - Brakelmann, Peehs, Rasovic - Kurrat, Neuberger, Sturm - Erler (59. Bücker), Held, Schütz, Wosab (74. Weist) - Trainer Hermann Lindemann
Schiedsrichter: Rudolf Frickel
Tore: 1:0 Kobluhn (63.), 1:1 Schütz (72.), 2:1 Krauthausen (79.)
Zuschauer: 26.000
Ein besonderer Dank gilt Peter Seiwert, dessen Buch „Bundesliga – Unsere besten Jahre. Rot-Weiß Oberhausen Chronik 1969–1973" die Grundlage für diesen Beitrag bildet und ein wahrer Schatz für alle RWO-Fans ist.
